Thea Gvetadze

Thea gvetadze

° 1971

Travaille à Tblisi (GE), né à Riga (LV).

Thea Gvetadze: zwischen Freude und Leid

Die Litauerin Thea Gvetadze (° 1971) wurde in Riga geboren, aber arbeitet als bildende Künstlerin abwechselnd in Berlin und in der georgischen Hauptstad Tiflis. Nach ihrem Studium an der State Academy of Art in Tiflis siedelte sie im Jahr 1993 nach Westeuropa um, um dort ihr Studium fortzusetzen, zunächst an der Rietveld Academie in Amsterdam und danach an der Düsseldorf Art Academy in Deutschland. Ihre künstlerische Entwicklung – und eingehende Erkundung der Kunsttraditionen Westeuropas – fällt weitgehend mit den traumatischen sozialpolitischen Entwicklungen zusammen, die sich Anfang der neunziger Jahre in Litauen abspielten. Nicht nur der Wegfall des ebenso doktrinären wie utopischen Sozialismus ist dabei problematisch, sondern auf jeden Fall auch der schwierige Wandel zu einer neuen politischen Wirklichkeit, die sich nach dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion aufdrängt. Ihre künstlerische Gestaltung vollzieht sich also mit einem einzigen Blick auf eine zerstückelte und düstere Vergangenheit und einem anderen Blick auf eine befreiende, jedoch unklare Zukunft. Das Ergebnis ist ein Oeuvre voller Spannung, Emotionen, Symbolik und rätselhafter Szenarien.

 

Von Anfang an experimentiert die Künstlerin mit Materialien und Techniken, die vom Herkömmlichen abweichen. Sie malt ihre Bilder mit harten Farben direkt auf schwarzen Samt, sie kompiliert Tontafeln zu wandfüllenden Mosaiken oder modelliert archaische Frauenfiguren aus Holz und Keramik. Ihr gesamtes Oeuvre ist dunkel und bildhaft primitiv, aber es strahlt zugleich Stolz und Beharrlichkeit aus. Es sind verstummte Bilder, die die Vergangenheit überlebt haben und jetzt als Objekt oder Monument, ohne Empfindung oder Pessimismus, in eine neue Gegenwart aufgestellt werden. Die Realität, die Gvetadze offenbart, ist die einmalige und zugleich unumkehrbare Konfrontation mit einem menschlichen Wesen mit den verschiedensten Dingen: Dies können Gegenstände sein, aber auch andere menschliche Wesen oder eine Geschichte, die erzählt wird. Die Künstlerin erzählt diese Geschichte nicht, und sie zeigt auch die Begegnung nicht. Sie zeigt nur das Bild – wie ein Standbild – der Person, der es widerfahren ist, die es vom Sehen oder Erzählen erfuhr. Die Spannung und die Magie, die somit heraufbeschwört werden, macht ihr Oeuvre rätselhaft, aber auch faszinierend. Es sind lebendige und tiefsinnige Kompositionen, die aus einem kosmischen Hintergrund auftauchen.

Alles, was gezeigt wird, befindet sich zwischen Freude und Trauer, zwischen aktuell und vergänglich. Sie zeigt die Existenz in unzusammenhängenden Fetzen und Fragmenten: nostalgisch, poetisch und dokumentarisch. Alles basiert auf Informationen, nicht als Übertragung an sich, sondern als verirrte Cyber-Daten, die auf eine einstige Existenz verweisen. Ohne gesellschaftskritische Analyse recycelt  Gvetadze Erinnerungen aus der Vergangenheit zu heutigen, reich gefärbten Szenen. Mit viel Gefühl für Komposition und einer Vorliebe für Collagen und Kontraste vereint sie Einflüsse von Klimt, Ernst oder Matisse mühelos mit Symbolen und unsichtbar gemalten Gesichtern aus der Sowjetzeit

(HW)

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