Aanwinsten 2017 [Acquisitions 2017]

Gaisumov

Ensemble

2017 wurde die Kollektion durch die internationale Avantgarde aus unserer Region der sechziger und siebziger Jahre mit dem Schwerpunkt der Performativität und des gesellschaftskritischen Engagements verstärkt. So konnte das bedeutende Ensemble des Fluxus-Künstlers Ben Vautier, das das Museum seit 1987 bewahrte, erworben und verankert werden. Das Kernensemble um die visuelle und konkrete Poesie herum wurde in den vorherigen Jahren in einen internationalen Kontext gerückt, wobei grafische Elemente, Skizzen und Filme verschiedener visueller Dichter hinzugefügt wurden. 2017 konnte das Museum ein neues Werk erwerben, d.h. die digitale visuelle Poesie in Form von Hologrammen von Alain Arias-Misson. Mit dem Dichter und Künstler Wilfried Wynants vereinbarte das Museum, dass seine Sammlung von visueller und konkreter Poesie, die in den entsprechenden Archiven integriert war, insbesondere die Nachlassenschaft von Leon Van Essche, dem Zeugen der künstlerischen Szene um die Zeitschrift Labris herum, integral geschenkt werden sollte, um die Werke in der Zukunft nachhaltig in Phasen enthüllen zu können.

Aus der mit EMST gemeinsam aufgestellte Ausstellung “Urgent Conversations: Athens – Antwerp” in Athen im Jahr 2016 und der Fortsetzung davon in Antwerpen im Jahr 2017 hat EMST dem M HKA eine Reihe von Werken der griechischen Künstlerin Bia Davou in langfristige Verwahrung gegeben. Von ihrer Untersuchung über die soziale und kommunikative Dimension ihrer künstlerischen Werke ausgehend hat Bia Davou (1930-1996) seit der Mitte der siebziger Jahr ein serielles System ihrer Kunst entworfen. Diese serielle Methode kann auf unterschiedliche Weise angewandt werden, bis ins Unendliche, über Zeichnungen, Malereien, Stickerei auf Gitter- und Flächenpapier, auf Ziegel, Jute usw. M HKA gab zum Tausch zwei Werke von Danny Matthys als langfristige Leihgabe, das monumentale 'Vivre d’Abord'(1979), und Brabantdam, 59,Gent downstairs upstairs (1975).

Aus einer Untersuchung, was in den Avantgarde-Räumen unserer Region gezeigt wurde, ergaben sich einige Ergänzungen und wurden einige ‘Underground’-Werke verankert, wie die Nachlassenschaft des Künstlers Hugo Roelandt, einem der Pioniere der Performance-Kunst in Belgien in den 70er und 80er Jahren. Hugo Roelandt schenkte einen Teil seiner Nachlassenschaft der Königlichen Akademie von Antwerpen. Sein Partner, Lydia Van Loock, und die Akademie beschlossen, das Künstlerarchiv vollständig als Untersuchungsplattform über den Künstler und die Performance-Kunst in Belgien zu verwahren und dem M HKA zu schenken. Auch verpflichtete das M HKA sich, das Werk von Journalist, Essayist, Maler, Zeichner, Performer und konzeptueller Künstler Jef Lambrecht zu übernehmen und konnte durch Schenkung einige seiner wichtigsten Werke erwerben.

2017 wurde die Kollektion punktuell mit ländlichen Referenzkünstlern verstärkt, die in einen internationalen Kontext der Avantgarde zu sehen sind. Von Jef Geys kaufte das Museum Zwarte Overall (1991), in dem der Künstler in einem schwarzen Overall mit einem Stern in den Händen posiert. Der Stern ist als Motiv in mehreren  Werken von Geys zurückzufinden. Für den Künstler sind besonders die Kraft, die Bedeutung und Symbolik dieser universellen Figur von Bedeutung. Philippe Van Snick schenkte die Installation Ping Pong (1972) im Rahmen der Präsentation der Kollektion Ping Pong Revisited, in der er seine Palette von zehn Farben und die Gegenüberstellung von Tag und Nacht – Themen, die damals noch nicht in seinem Werk anwesend waren – einführte, um das Werk aus den Jahren 1970 zu aktualisieren. Das M HKA setzte auch  2017 den Kauf eines großen und langfristigen Projektes des Künstlers Danny Devos fort. Seit Mitte der 80er Jahre pflegte Danny Devos eine Korrespondenz mit verurteilten Serienmördern, um die Beweggründe der Mörder zu erforschen. Das Jockel-Projekt ist ein Schlüsselwerk von Devos, da die verschiedenen Facetten seiner Praxis hier zusammenkommen. Die aufgeführten Brief verweisen auf seine Korrespondenz. Die 4 Performances an der Stelle, wo die 4 Opfer ermordet wurden, verbinden seine Body Art und Performances mit dem Projekt. Die Objekte verweisen auf seine Skulpturen und Installationen.

Es wurden auch Kunstwerke von jungen Künstlern erworben, die ihre Arbeit auf die avantgardistische Tradition aufgebaut haben, mit 2017 einer Schenkung des Werks von Narcisse Tordoir von der Technischen Universität Eindhoven, und einigen Errungenschaften von jüngeren Künstlern, die im Kollektionsprofil interessant sind, wie Marie-Jullia Bollansée, Gerard Herman, Nico Dockx, Tinka Pittoors und Rein Dufait.

2017 konnte das Museum die Kollektion um einige Referenzwerke über Bildbefragung erweitern. So wurde das Kernensemble von Allan Sekula mit einer großzügigen Schenkung von Estate um ‘exhibitions copies” von 12 fotografischen Werken vervollständigt.

Von Peter Wächtler, der Popkultur, Bestseller, Schnulzen und Blockbuster mit einer aufrechten Sorge um die Zerbrechlichkeit des Alltags verbindet, wurden zwei Werke erworben. Er macht Werke, die zwischen dem Reellen und dem Bizarren hin- und herschwanken. Er erzählt seine Geschichten in verschiedenen Medien: Film, Text, Keramik, Bildhauerei, Holzkohle und Zeichnungen und Ton.

M HKA baute durch frühere Engagements in verschiedene Bewegungen eine erhebliche Kunstkollektion aus der ehemaligen Sowjetunion auf, die sinnbildlich in eine eurasiatische Perspektive eingesetzt werden kann. 2017 wurde die Kollektion um einige Erwerbungen von Künstlern aus der Moskauer Kunstszene erweitert, wozu ein Film und eine Reihe Collagen von Evgeny Granilschikov gehörten. Von der Video- und Neuen Medien-Künstlerin Sasha Pirogova wurden über den Zusammenarbeitsverband mit der Moskauer V-A-C Foundation eine Reihe von Videoarbeiten erworben. 2012 gewann sie eine Auszeichnung auf dem Extra Short Film Festival (ESF); 2013 wurde sie für den Kandinsky Prize nominiert und 2014 gewann sie den Innovation Prize mit ihrem Kurzfilm “Biblimlen”. 2017 konnte sie als vorläufigen Höhepunkt Russland auf der Biennale von Venedig vertreten (zusammen mit Grisha Bruskin und der Recycle Group). Pirogova verbindet Choreographie, Tanz und Performance in Kurzfilmen und Videomontagen.

 

Daneben konnte das Museum 2017 einige Gelegenheiten ergreifen und Werke von Künstlern aus der Szene kaufen, die zum Interessengebiet des M HKA gehören, sowie von Referenzkünstlern, die in diese Kollektionsperspektive passen. Evgeniy Antufiev ist einer der neuen Sterne am Russischen Firmament. Er kommt aus Tuva, einer Republik, die zur Russischen Föderation gehört und sich im Zentrum von Asien befindet. Antufiev entwirft visuell viele auseinandergehende Werke, die ethnische und folkloristische Traditionen als visuelle Möglichkeiten bearbeiten. Im letzten Jahr wurde sein Werk bei einer Übersichtsausstellung im Museum der Modernen Kunst von Moskau gezeigt. Das M HKA erwarb damals mit Unterstützung der V-A-C Stiftung das wichtigste Ensemble davon, mit einer Reihe von Werken über die legendäre Ballerina Anna Pavlova, unter anderem eine Reihe Porzellan-Versionen des nach ihr benannten Meringue-Desserts. Neben dieser Installation schenkte der Künstler eine Sammlung romantischer Postkarten des russischen Schriftstellers Graf Leo Tolstoy, mit einem Video, das er von einem Treffen der Familie Tolstoy auf einem altertümlichen Landgut machte. Von dem aus Grozny stammenden Aslan Gaisumov erwarb das Museum zwei Videoinstallationen. Gaisumov arbeitete an einem Werk, das vom persönlichen und kollektiven Gedächtnis genährt wird, dieses aber gleichzeitig umformt und übersteigt. Seine Werke befinden sich an der Grenze zwischen visueller Direktheit und sozialem Kommentar, zwischen dem Zeitlichen und dem Monumentalen. Meistens enthalten die Videos und Installationen gefundene Gegenstände und Objekte, die er zielbewusst entwirft.

Hinsichtlich der Ukraine konnte mit der Fortsetzung einiger Engagements für eine jüngere Generation die Kernkollektion aus der ehemaligen Sowjetunion auch im Jahr 2017 bestätigt werden. Alevtina Kakhidze schenkte ihre gesamten Videos All Times News, die sie 2015 täglich aus dem VDNKh-Pavillon während der Biennale von Moskau  versandt. Mittags wurden die Future News ausgestrahlt, in denen es nur um Voraussichten ging. Nachmittags gab es die Present News über Fakten, die während der Zeit im VDNKh passierten. Die Past News, die abends dran kamen, beruhten auf einem Tekst über Strawberry Andreevna, die in Zhdanovka lebt, einer kleinen Stadt im Nordosten von Donetsk, wo eine Reihe von heftigen Gefechten während des Kriegs im Jahr 2014 stattfanden. Von Nikita Kadan wurden 2 Reihen Zeichnungen gekauft. Kadan versucht mit seinem Werk, die bewegte und vor allem gewalttätige Geschichte seines Volks, seines Landes und damit auch der gesamten ehemaligen Sowjetunion aufzuzeichnen. Kadan, der monumentale Malerei an der National Academy of Fine Art in Kiew lernte, arbeitet gerne grenzüberschreitend und interdisziplinär. Er zeichnet, mal und macht Installationen – häufig in Zusammenarbeit mit Architekten, Menschenrechtsaktivisten und Soziologen – und immer mit seinem Blick auf die dunkle Seite der Vergangenheit. Obwohl oft kein Tropfen Blut fließt, bringt er alle Formen der Unterdrückung, der Folter und andere Auswüchse von falschem Patriotismus genau ins Bild.

Im Rahmen einer Gruppenausstellung ‘Een tijdelijk toekomstinstituut’ wurden rund dreißig Zeichnungen des in der Republik von Mari El wohnhaften Künstlers Izmail Efimov erworben. Dieser war in der Mitte der 70er Jahre als sozial-realistischer Künstler aktiv und ist jetzt der originellste ethno-futuristische Künstler. Dieser Begriff wurde in den 80er Jahren in Estland erfunden. In den 90er Jahren nahmen die finnisch-ugrischen Regionen des europäischen Russlands diesen Begriff an, um eine neue kulturelle Bewegung zu bezeichnen, “sich auf die Vergangenheit stützen und für die Zukunft arbeiten’. Alexander Lee schenkte im Rahmen seiner The Botanical Factory III eine Reihe von Prints, die zusammen mit Besuchern entworfen wurden, indem Brotfruchtblätter auf Textil gedruckt wurden. Auch der Kongolesische Künstler Jean Katambayi schenkte Teile des Ensembles, das in dieser Ausstellung gezeigt wird, sowie Kasper Bosmans einige Wandzeichnungen. Das Kampagnenbild für diese Ausstellung, das er entwarf und in dem mit einem Augenzwinkern die “vier Zukunftsbilder” von Jim Dator – fortgeschrittener Wachstum, Zusammenbruch, Disziplin, Wandel – in eine Bildsprache umgesetzt wurden, die sowohl sicht- als auch lesbar ist, wurde gekauft.

Andere Neuzugänge in der Kollektion sind u.a. Werke von Liliane VertessenGuillaume BijlAngel Vergara, Edith DekyndtAnne-Mie Van Kerckhoven und Patrick Van Caeckenberg. Ferner kauft das Museum einige kleinere Werke, Auflagen und Multiples von verschiedenen Künstlern.

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