Koen Theys

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° 1963

Né à Brussel (BE), travaille à Brussel (BE).

Der belgische bildende Künstler Koen Theys (Brüssel, °1963) ist ein wichtiger Vorreiter der zeitgenössischen Videokunst in Belgien. Im Jahr 1989 war er zusammen mit seinem Bruder Frank Theys die treibende Kraft hinter der Gründung von ARGOS, dem Zentrum für neue Medienkunst in Brüssel, das seitdem zu einer international renommierten Plattform für Videokunst und neue Medien geworden ist. Während seines Studiums der Bildhauerei an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Gent Anfang der achtziger Jahre verlagert sich das Interesse des jungen bildenden Künstlers zusehends auf audiovisuelle Medien, was im Jahr 1983 zur schockierenden Videoinstallation Crime 01 führt. Darin sehen wir, wie der Künstler einen toten Deutschen Schäferhund mit einer Axt in Stücke hackt und die Gliedmaßen des Hundes anschließend neben einem Baby in einem Bettchen präsentiert. Der noch unbekannte Filmemacher wird daraufhin von der Akademie verwiesen, doch die Montage bildet den Startschuss für ein gewagtes und eigensinniges Oeuvre, das die augenfälligsten und unterschiedlichsten Überreste des breiten kulturellen Spektrums anspricht. Neben Videoanlagen fertigt der Künstler auch imposante künstlerische Werke, Skulpturen sowie Fotocollagen an und führt Performances auf. Zugleich ist er Dozent für autonome Videokunst an der Hochschule Sint-Lucas in Antwerpen, einen Fachbereich, den er im Jahr 2004 selbst gegründet hat.

Nach der aufsehenerregenden Szene mit dem Deutschen Schäferhund (ein Verweis auf Adolf Hitler und dessen Hund) macht Koen Theys im Jahr 1984 das Video Diana, das von verträumten Filmaufnahmen einer nackten Eva Braun an einem Wasserfall inspiriert ist. Diese und andere Verweise  auf die Weltgeschichte wechselt er mit Videoinstallationen ab, die die Ikonen der Kunstgeschichte heraufbeschwören. So fertigt er Kompilationen mit Bildern von unter anderem Pablo Picasso, Willem van Aelst und Frans Hals an. Als Multimedia-Künstler verwendet er auch regelmäßig YouTube-Filme und Bilder, die er im Internet findet. Für die Eröffnung seiner Übersichtsausstellung im SMAK entwickelt er die Performance Death Fucking Metal: dreißig Rockstars, die zwischen ihren Instrumenten auf einer großen, sich drehenden Bühne schlafen. Im Jahr 2018 fertigt er in der Kathedrale von Antwerpen wiederum die Skulptur Diasporalia an: zwölf Matratzen aus Bronze, auf denen die persönlichen Gegenstände von Flüchtlingen ausgestellt sind.

Die Vielseitigkeit des Künstlers zeugt nicht nur von einem besonderen gesellschaftlichen Engagement, sondern auch von einem hohen Einfühlungsvermögen, Humor und einem ausgeprägten Blick für scheinbar banale Sachen, die er immer wieder zu bemerkenswerten Erscheinungen zusammenführt. Beispielhaft hierfür ist die Videoinstallation The Many Things Show aus der ständigen Sammlung des M HKA. Dabei handelt es sich um einen Videofilm, der einem Bildersturm gleich tausend anonyme Porträts auf den Zuschauer loslässt. Es sind Copy-Paste-Bilder von Menschen, die demonstrativ mit einem persönlichen Gegenstand posieren, um ihre Identität zu betonen. Der Künstler lässt sie auf dem  eingesprochenen  philosophischen Text von Joseph Kosuth (Art after Philosophy aus dem Jahr 1969) über die konzeptionelle Bedeutung von Kunst Revue passieren. Für diejenigen, die mit dem Bildersturm nicht Schritt halten können, gibt es monumentale Blätter Papier mit identischen Bildern, zusammen mit dem handgeschriebenen Text von Kosuth.

Koen Theys verwendet hier das Medium Video, damit der Zuschauer seine Kunst so betrachtet, als würde er fernsehen, und somit zur Macht der Massenmedien, die sich begierig auf Kitsch und Sentimentalität stürzen, Stellung zu nehmen. Der Künstler richtet seine Aufmerksamkeit auf das anonyme Individuum, das in der Masse aufgeht und somit unsichtbar wird. Indem er dieses Phänomen anhand des Mediums Fernsehen zeigt, kreiert Theys ein treffendes Paradox.

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